Geige aus Kornhausholz kehrt an ihren Ursprungsort zurück

veröffentlicht am: 26.05.2026

Das Kulturamt informiert:

DRESDNER EHEPAAR UNTERSTÜTZT DEN KAUF

Im März erklang im Siegfried-Heinze-Saal der Zwickauer Stadtbibliothek ein ganz besonderes Instrument: eine Geige aus dem Holz der alten Dachbalken des Kornhauses, die bei der Sanierung ausgetauscht werden mussten. 
Am Freitag, dem 29. Mai 2026, um 9 Uhr wird die Geige nun endgültig der Stadtbibliothek übergeben und soll zukünftig mindestens einmal im Jahr während eines besonderen Konzertes erklingen.

INSTRUMENT MIT EINZIGARTIGER HISTORIE

Während der Dachsanierung des Zwickauer Kornhauses mussten große Teile des Tannenholzes im Tragwerk ersetzt werden. Dabei blieben einige größere Stücke historischen Holzes übrig. Statt es zu entsorgen, hatten Arndt und Katrin Liebig, ehemals Inhaber des traditionsreichen Ladengeschäfts „Kunsthandwerk Liebig“, die Idee, dem Holz ein zweites Leben zu verschaffen. In Zusammenarbeit mit dem Holzgestalter Swen Kaatz und dem Schmiedemeister Tino Trültzsch entstanden einzigartige Objekte aus diesem Material, die bei Sammlern nach wie vor beliebt sind. 

Das vielleicht ungewöhnlichste und gleichzeitig ambitionierteste Projekt aus dieser Idee hat inzwischen seine Vollendung gefunden: der Bau einer Geige aus Kornhausholz. Umgesetzt wurde dies durch die junge Absolventin des Studienganges Musikinstrumentenbau der Westsächsischen Hochschule Zwickau, Ieva Tranaite. Ambitioniert deswegen, weil Tannenholz eigentlich nicht die erste Wahl im Geigenbau ist. Nach eingehender Prüfung durch die Fachleute an der Fakultät Angewandte Kunst Schneeberg im Studiengang Musikinstrumentenbau in Markneukirchen stand dem aber nichts mehr im Weg.

ZURÜCK ZU DEN WURZELN

Nun kommt die Geige endgültig an ihren Ursprungsort zurück. Möglich gemacht hatte den Kauf das Engagement des Dresdner Ehepaares Magret und Dr. Claus Dieter Heinze, die den Erwerb mit 5.000 Euro unterstützten. Weitere 2.500 Euro brachte der Förderverein der Zwickauer Stadtbibliothek auf, der sich schon länger mit dem Gedanken trug, das Instrument zu kaufen. So konnte die Geige für insgesamt 7.500 Euro von Ieva Tranaite erworben werden und kehrt damit nach Hause zurück.

„Wir sind dankbar, dass wir durch unsere Zuwendung dazu beitragen konnten, dass das mehr als 500 Jahre alte Holz des Kornhauses durch Meisterhand zu einer Violine gestaltet werden und von Musikern zum Klingen gebracht werden konnte und hoffentlich immer wieder bespielt wird“, zeigen sich die Heinzes erfreut. Zustande kam der Kontakt über Prof. Dr. Lutz Weißbach, Professor für Rechnerintegrierte Produktentwicklung am Institut für Kraftfahrzeugtechnik der Westsächsischen Hochschule Zwickau.

ENGAGEMENT FÜR KUNST, KULTUR UND DAS ERBE JÜDISCHER KÜNSTLER

Dr. Claus Dieter Heinze, der 1934 in Sumatra geboren wurde, studierte zunächst in Dresden später in Rostock, floh 1957 aus der damaligen DDR und kehrte 1990 in nach Dresden zurück. Ab dem 1. Juli 1990 war er mit dem Aufbau der Ostdeutschen Zentrale für IBM Deutschland GmbH betraut. Zwischen 1990 und 1993 zeichnete er maßgeblich für den Auf- und Ausbau des größten Zentrums der Konstruktionssoftware CATIA im Osten Deutschlands an der heutigen Westsächsischen Hochschule Zwickau verantwortlich. Mit der Verortung des CATIA-Zentrums in Zwickau war somit auch sichergestellt, dass für VW-Sachsen der entsprechende Nachwuchs ausgebildet werden konnte.

Nach dem Ausscheiden aus dem aktiven Berufsleben nahm sich Dr. Claus Dieter Heinze verschiedenen Herzensprojekten an. So wurde er stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins Bau der Synagoge Dresden, stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins der Palucca Schule Dresden, Vorsitzender des Instituts zur Erforschung und Erschließung der Alten Musik in Dresden (Musikschätze aus Dresden) e.V., Vorstandsmitglied der Neuen Jüdischen Kammerphilharmonie und hat sich der Pflege und Verbreitung der Musik jüdischer Komponisten verschrieben. 

Am 19. April 2023 wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

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